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Die CRM-expo im historischen Verlauf

| 1 Kommentar

Ist der deutsche CRM-Markt am “Plateau der Produktivität” angekommen? | Von Johannes Britsch

CRM-Messe Nürnberg

Die CRM-expo 2010 ist vorbei und die offiziellen Aussteller- und Besucherzahlen wurden veröffentlicht: 178 Aussteller präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungen, 115 Vorträge und Präsentationen fanden statt, 4000 interessierte Besucher kamen nach Nürnberg. Wie sind diese Zahlen einzuordnen?

Vorab muss festgestellt werden, dass die CRM-expo diese Jahr zum ersten Mal parallel zu den “Voice Days Plus” stattgefunden hat. Die 4000 Besucher sind die Summer beider Messen. Trotzdem: Auf den Voice Days waren im letzten Jahr 800 Besucher. Ziehlt man diese näherungsweise ab, bleibt für 2010 eine CRM-expo-Besucherzahl von 3200. Somit hat die deutsche CRM-Leitmesse im Vergleich zum Vorjahr sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Besuchern zugelegt und kann als Erfolg gewertet werden. CRM scheint weiterhin ein Thema für Unternehmen zu sein, insbesondere in der Kombination mit dem Trend-Thema Social Media.

Blick in die Vergangenheit

Wie sieht aber das “Big Picture” aus? Um dies herauszufinden, habe ich den kompletten Verlauf der Aussteller- und Besucherzahlen der CRM-expo rekonstruiert. Quellen sind alte Pressemitteilungen und Zeitungsberichte, welche die Messe seit ihrer ersten Auflage im Jahr 1999 begleiten. Die folgende Grafik fasst die Zahlen zusammen:

Statistik CRM-expo

Was fällt bei den Kurvenverläufen auf? Wie können diese Entwicklungen interpretiert werden?

  • Parallel zum Hype rund um das Internet und die New Economy erreichte die CRM-expo circa zur Jahrtausendwende ihre maximale Aufmerksamkeit.
  • Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes durchlebte auch die CRM-Messe von 2002 bis 2004 eine Krise mit stark rückläufigen Aussteller- und Besucherzahlen.
  • Ab 2004 ist ein Turnaround zu erkennen. Bis auf die Jahre 2008/2009 (Wirtschaftskrise!) ist wieder ein stabliler, leicht steigender Trend bei den Zahlen zu erkennen. Die Ausstellerzahlen haben sich 2010 sogar wieder dem Rekordjahr 2001 angenähert.
  • Es gibt eine “Einjahres-Verschiebung” bei den Graphen der Aussteller- und Besucherpräsenz. Erklärung 1: Die Hersteller von CRM-Software haben eine technischen Führungsrolle inne. Es handelt sich um einen anbietergetriebenen Markt. Erklärung 2: Die Entscheidungsprozesse, bis Unternehmen CRM-Projekte einleiten und Vertreter zu Messen schicken, dauern lange. Erklärung 3:  Der Messemarkt ist konjunkturabhängig. Der NEMAX (IT-Markt entspricht den Ausstellern) brach früher und heftiger ein als der DAX (Gesamtwirtschaft entspricht den Messebesuchern).

Die Situation heute

Oben im Text fiel das Wort “Hype”. Die Technologie-Analysten von Gartner Research haben für dieses Phänomen ein mittlerweile relativ bekannte Interpretationsmodell: den “Hype Cycle“. Er beschreibt, wie Innovationen zuerst einen starken Anstieg an Aufmerksamkeit erleben. Meistens zeigt sich dann, dass die Erwartungen, die an die Neuheit gestellt wurden, maßlos übertrieben waren. Alternativ kommt es zu Problemen, weil die Innovation noch nicht ausgereift ist. Die Aufmerksamkeit sinkt folglich rapide. Erst mit der Weiterentwicklung der Neuheit nimmt die Sichtbarkeit wieder zu – bis zu einem Plateau-Stadium der Etablierung. Vergleichen wir die Grafiken der CRM-expo mit dem Hype Cycle, würde man den deutschen CRM-Markt wohl zwischen den Abschnitten “Pfad der Erleuchtung” und just jenem “Plateau der Produktivität” einordnen. Heißt umgekehrt auch: Der Markt ist bereit für neue Innovationen.

Hype Cycle

Die Zukunft

In Anbetracht der beschrieben Entwicklungen prognostiziere ich für das nächste Jahr weiterhin leicht steigende Aussteller- und Besucherzahlen. In diesem Jahr zeigte sich: Social CRM gibt dem Markt neue Impulse, xRM hat das Potential, in den kommenden Jahren stärker diskutiert zu werden. Ein erneuter Hype wie zu den Anfangstagen der CRM-expo ist jedoch (noch?) nicht zu erkennen…

Autor: Johannes Britsch

Johannes Britsch ist Doktorand an der Uni Mannheim. Seine Interessen umfassen xRM, Managementkonzepte, KMU sowie Entrepreneurship. Er ist "Erbauer" dieses Blogs und schreibt manchmal in der dritten Person von sich.

Ein Kommentar

  1. CRM hat in den letzten Jahren einige Höhen und Tiefen erlebt. Bisher folgten die Unternehmen der CRM-Philosophie die profitabelsten Kunden sinnvll zu bedienen.
    Die vernetzte Welt macht den Markt für den Kunden deutlich transparenter. Mehr und mehr Produkte (bzw. Produktinformationen) werden digitalisiert und dem Kunden auf elektronischem Weg angeboten. Das CRM der Zukunft muss innovativ sein, um globalen “low-cost” Angeboten erfolgreich zu begegnen, Kundenabwanderung zu verhindern und dem Verlust von Marge und Profitabilität entgegenzuwirken? Das CRM der Zukunft erfordert eine innovative bei der Ausrichtung der Unternehmensstrategie. Neue Konzepte wie Open Innovation bieten die Chance, eine absolute Kundenorientierung zu erreichen und schaffen eine Win-Win Situation für Kunden und Unternehmen.
    Die Innovation erfordert Anpassungen in der Unternehmensphilosophie und Strategie, gefolgt von Änderungen der Funktionalitäten der CRM-Systeme.

    http://www.businessweek.com/adsections/care/relationship/crm_future.htm

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