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Der World Usability Day in Stuttgart

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Gebrauchstauglichkeit: ein unterschätztes, aber immer wichtigeres Thema | Von Johannes Britsch

Notebook-Problem

Jeder kennt das Problem: Moderne technische Geräte und Software-Produkte sind oft zu kompliziert. Als normaler Anwender ist man mit ihrer Bedienung schnell überfordert. In den 80er-Jahren scheiterte man noch an der (todesmutig durchgeführten) Programmierung seines neuen Videorekorders. Heute sind wir so weit, dass bereits das Ausführen oder Annehmen eines einfachen Telefonats Schweißperlen auf die Stirn von Smartphone-Besitzern treibt.

Mit just diesem Phänomen hat sich der internationale Aktions-Tag “Usability” am 11.11.2010 beschäftigt. Überall auf der Welt fanden dazu in großen Städten Vorträge und Kongresse statt. In Deutschland waren alleine über 20 Locations beteiligt; in Stuttgart (wo auch ich zu Besuch war) fand laut Veranstalter sogar das weltweit größte Usability-Event an diesem Tag statt.

Was es zu sehen gab

Der Stuttgarter “Tag der Benutzungsfreundlichkeit” umfasste 25 Vorträge und Workshops sowie eine Ausstellung, bei der 34 Unternehmen bzw. Institutionen ihre neuesten Produkte und Projekte zeigten. Die Reden wurden parallel zueinander in vier Sälen der Volkshochschule Stuttgart gehalten, wobei die meisten Veranstaltungsräume bis auf den letzten Platz voll waren. Studenten stellten eindeutig das Hauptkontingent der Besucher (sicher mehr als 80%), v.a. angehende Kommunikationswissenschaftler und Designer waren zahlenmäßig stark vertreten.

Entsprechend spannend und kreativ gestalteten sich auch die Vorträge (überwiegend von Professoren und Experten von Usability-Firmen). Die Themenbreite reichte hierbei von “Das neue User Interface Design des DB Fahrkartenautomaten” über “Barrierefreies Webdesign heute und morgen” bis hin zu “Usability Testing mit Kindern”. Auf den Ausstellungsständen konnte man außerdem Technologien wie Touchscreen-Tables, 3D-Simulationen oder Eye-Tracking selber ausprobieren. Für jeden war also etwas dabei. Insgesamt muss man den Usability Day 2010 in etwa so vorstellen, wie dieses Video der gleichen Veranstaltung im letzten Jahr zeigt:

Was mir aufgefallen ist

  • Gebrauchstauglichkeit ist auch für xRM hochrelevant. Je mehr Beziehungskonstrukte erfasst werden sollen, desto potentiell komplizierter wird eine entsprechende Software. Bedenkt man, dass CRM-Einführungen in der Vergangenheit oftmals an Mitarbeiterwiderständen gescheitert sind, wird klar: xRM kann seine Stärke nur ausspielen, wenn die einzelnen Beziehungen intuitiv und mit einer ähnlichen Benutzeroberfläche erfasst werden.
  • Usability ist heutzutage beinahe ein überholter Begriff. In den meisten Vorträgen war von “User Experience” die Rede. Will heißen: Die Bedienung eines technischen Produktes soll über eine rein instrumentelle Ebene hinausgehen. Der Nutzer soll gefesselt werden, z.B. durch Animationen, Farben oder spielerische Elemente. Für Geschäftsanwendungen existiert hier sicher ein extrem schmaler Grad. Übertriebene User Experience kann meiner Meinung nach sehr schnell nerven.
  • Apropos Spiele: Klar erkennbar wurde auch, dass viele Impulse für Usability aus der Videospiel- und Computerspiel-Industrie kommen. Aktuelle Beispiele sind Bewegungssteuerungen (Nintendo Wii, PS3 Move, Xbox360 Kinect) oder Double-/Touchscreen-Bedienungskonzepte (Nintendo DS).
  • Der Schwerpunkt des diesjährigen Aktion-Tages war eine Thematik, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht der Usability zuordnet: Kommunikation. Vorgestellt wurden Tools zur Analyse von Texten, Sprachoptimierung und Messung der Kommunikationseffizienz. Sollte ich mal testen :-)
  • Klick statt Blick: Eine interessante Alternative zum Eye-Tracking (Blickfeldtests) von Homepages ist die Mausklick-Analyse. Sie ist günstiger, da sie über Java (?) einfach realisiert werden kann. Den Nutzern bleibt die Aufzeichnung ihres Klickverhaltens verborgen und gleichzeitig kann ein großes Test-Sample mit tatsächlichem Nutzungsverhalten gewonnen werden.
  • Das von der Broschüre des Usability Day empfohlene Parkhaus (“Rotebühlplatz”) hat für den einen Tag 22 Euro gekostet. Mein benutzerfreundlicher Tipp für 2011: Lieber woanders parken!

Weiterführender Link: World Usability Day

Autor: Johannes Britsch

Johannes Britsch ist Doktorand an der Uni Mannheim. Seine Interessen umfassen xRM, Managementkonzepte, KMU sowie Entrepreneurship. Er ist "Erbauer" dieses Blogs und schreibt manchmal in der dritten Person von sich.

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