xRMblog

Anything about Any(thing) Relationship Management

Die Queen gibt Gas – Porsche bremst

| Keine Kommentare

Wie handhaben Firmen den Umgang mit Web 2.0 und sozialen Netzwerken? | Von Johannes Britsch

Queen in Kutsche

Die Meldung des heutigen Tages: Das britische Königshaus ist jetzt auch auf Facebook vertreten. Zu sehen gibt es aktuelle Pressemeldungen aus dem Buckingham Palace, jede Menge Fotos, Videos und interaktive Hintergrundinformationen. Insgesamt toll gemacht, eine gute Ergänzung zu dem bereits länger bestehenden YouTube-Kanal, den Flickr- und Twitter-Konten sowie der offiziellen Homepage der Queen (online seit 1997!).

Interessant: Man kann zwar kein Mitglied der Königshaus-Gruppe werden, den Auftritt aber per “Gefällt mir”-Button supporten. Genau das haben innerhalb der vergangenen 12 Stunden schon über 100.000 Menschen getan. Außerdem sind Kommentare möglich. Unpassende Bemerkungen sollen dabei zwar gelöscht werden – es bleibt aber abzuwarten, inwiefern dies bei der zu erwartenden regen Teilnahme überhaupt möglich ist. Unter Fotos der Kronprinzen-Gattin Camilla finden sich bereits jetzt amüsante (und typisch britische) Aussagen wie:

“i’d like to go to a pub with her. bet she can drink like hell!”

Wie auch immer: Das britische Königshaus scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Es will sich volksnah präsentieren und dabei modern erscheinen. Im Sinne von xRM könnte man durchaus von Ansätzen eines “Subjects Relationship Management (Untertanenbeziehungsmanagement)” sprechen…

Porsche Boxenstopp

Ganz anders deutsche Unternehmen: So ließ Porsche im letzten Monat verlauten, allen Mitarbeitern die Facebook-, eBay- und XING-Zugänge zu sperren. Offiziell wird dies mit Sicherheitsbedenken begründet. Gegenüber der Wirtschaftswoche argumentierte Rainer Benne (Leiter der Porsche-Konzernsicherheit), ausländische Geheimdienste würden Social Media gezielt einsetzen, um Kontakte aufzunehmen und an Insider-Informationen zu kommen. Wow. James Bond lässt grüßen.

Dabei liegt es viel näher, dass Porsche Mitarbeiter schlicht und einfach vom “Trödeln im Netz” abhalten will. Bezeichnenderweise ist so in den Kommentaren von wiwo.de zu lesen, dass bei Porsche auch SpiegelOnline gesperrt ist, Bild.de hingegen erlaubt. Hierfür reicht die Zeit anscheinend… Gegen die Geheimdienst-These spricht letztlich außerdem, dass die Belegschaft von Porsche Firmengeheimnisse ja auch privat außerhalb der Geschäftszeiten weitergeben könnte.

Porsche ist mit seinem sehr restriktiven Umgang mit Social Media nicht alleine. Ähnlich verhalten sich andere DAX-Unternehmen wie z.B. die Commerzbank, HeidelbergCement oder Volkswagen. Teilweise gesperrt sind die Web 2.0-Angebote Berichten zufolge u.a. bei Daimler, Linde und E.on. Doch wird bei diesem Vorgehen nicht vergessen, dass jedweder (!) Kontakt zu möglichen Kunden führen kann? Sollten Firmen die privaten Netzwerke ihrer Angestellten nicht viel eher als Schatz betrachten und die Mitarbeiter bei der Beziehungspflege unterstützen (z.B. durch gezielte PR-Schulungen)?

Eine lockerer, in meinen Augen sinnvollere Vorgehensweise hat sich bei ca. zwei Dritteln der 30 Dax-Unternehmen durchgesetzt. Sie verzichten auf Blockaden von Social Networks, weil diese für den Geschäftsverkehr immer wichtiger werden. Der Versicherer Allianz hat Facebook und YouTube vor kurzem sogar wieder entsperrt.

Weiterführender Link: Facebook-Gruppe “British Monarchy”

Autor: Johannes Britsch

Johannes Britsch ist Doktorand an der Uni Mannheim. Seine Interessen umfassen xRM, Managementkonzepte, KMU sowie Entrepreneurship. Er ist "Erbauer" dieses Blogs und schreibt manchmal in der dritten Person von sich.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.