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ERP-Software im Zeitalter sozialer Netze

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Enterprise Resource Planning muss “sozialer” und “individueller” werden | Von Frank Naujoks

Konferenz

Mit der zunehmenden Durchdringung der Web-2.0-Funktionalitäten, die zuerst in das Privatleben und immer stärker auch in das Berufsleben der Anwender Einzug erhalten, wachsen auch ERP-Systeme in den Bereich der Netzwerk-IT-Systeme hinein. Zunehmend werden Collaboration-Funktionalitäten wie Instant Messaging und Blogs nicht als Inselsysteme genutzt, sondern in die Unternehmens-IT integriert und als Quelle für Anregungen und neue Produkte verstanden. Deren effizienter Einsatz muss aber durch eine Verhaltensschulung erst kollektiv gelernt werden: Aufwendige Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Teilnehmer zunächst “soziale Plattformen” bilden:

  • geteiltes Grundwissen,
  • vereinbarte Regeln und Strukturen,
  • Rollenklarheit,
  • Vertrauen.

Stets besteht die Gefahr, dass sich die Teilnehmer uferlos in irrelevanten Interaktionen oder belanglosen Kontroversen verlieren. Auf Anwenderebene hat sich, durch den Siegeszug der IT im Privaten, eine erfahrene Benutzerschaft herausgebildet, die sich auch in der Freizeit und im täglichen Leben mit neuen Technologien auseinandersetzt und gewisse Standards, wie beispielsweise die Benutzerführung, gern in der Arbeitswelt einsetzen würde. Auf diese Weise geraten die Anbieter von Unternehmenslösungen immer stärker in Zugzwang.

ERP muss sich wandeln

Die Individualitätsdenke der Anwender steht im Gegensatz zu langjährigen Grundlagen von ERP- Systemen, wie Standardisierung und Prozessorientierung im Sinne von ‘eingeschränkter Prozessführung’. Das heutige User-Verhalten entspricht immer weniger dem Anwendermuster aus den “Gründerjahren” der ERP-Systeme.

ERP-Systeme verfolgen im Kern noch heute Baupläne aus den Gründerjahren. Diese wurden zwar technologisch “aufgemotzt” aber nicht durchdacht. Mit den immer zunehmenderen Ansprüchen sind hier Lösungen notwendig. Diese sind zwingend ‘hybrid’ und müssen eine Beteiligung der User am IT-Customizing an sich zulassen.

Die IT-Kulturen und die IT-Governance in den Unternehmen sind nicht auf die “neuen User-Kulturen” abgestimmt. Hier sind neue Ansätze notwendig, die sich von einer reinen “Technik-Denke” verabschieden.

IT-Anwendungs-Landschaften im Unternehmen werden immer mehr zu basisdemokratischen Systemen. Das Wissensmonopol der IT-Abteilungen wird damit gebrochen. Um diese ‘komplexen Systeme’ zu führen und zu gestalten, muss man sie verstehen und verinnerlichen.

Das Kundenverhalten und die Kommunikationsinstrumente ändern sich, darauf müssen sich Anbieter einstellen. Daraus leiten sich folgende Empfehlungen ab:

  • Akzeptieren Sie den Kontrollverlust über ihr Produkt und die Kommunikation über ihr Produkt
  • Integrieren Sie ihre Kunden und Interessenten und lassen sie sie entwickeln, diskutieren, Werbung machen
  • Schaffen Sie Dialogräume für Kunden und Interessierte – und lernen Sie
  • Gewinnen Sie Fans und belohnen Sie die Anhänger durch Anerkennung
  • Experimentieren Sie mit neuen Konzepten und Ideen und analysieren Sie die Rückmeldungen.

Der Druck auf die Unternehmens-IT bezüglich Komfort, Verfügbarkeit und Benutzerfreundlichkeit wird zunehmen – zu dominant sind heute schon Apple und Co im privat-beruflichen Einsatz. Was im Privaten funktioniert, so die Erwartungshaltung, muss doch bitte auch im geschäftlichen Einsatz möglich sein.

Frank Naujoks

Autor: Frank Naujoks

Der auf Geschäftsanwendungen spezialisierte IT-Analyst Frank Naujoks ist als Director Research & Market Intelligence bei der intelligent systems solutions (i2s) GmbH tätig. Er ist Lehrbeauftragter der Hochschule Luzern, langjähriges Mitglied im Fachbeirat der ERP-Expo und Jury-Mitglied des CRM-Awards der CRM-Expo.

Ein Kommentar

  1. In den nächsten Jahren wird es sicher spannend sein zu sehen, wie xRM-Lösungen immer mehr im Bereich ERP “wildern” werden…

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