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Junge xRM-Firmen: Es geht um Milliarden

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Es tut sich einiges im Gebiet der Social Intranets & Collaboration Tools | Von Johannes Britsch

Laut aktuellen Meldungen von Bloomberg und dem Wall Street Journal ist Microsoft daran interessiert, Yammer zu kaufen. Der Kaufpreis liegt angeblich bei über 1 Milliarde US-Dollar, Techcrunch spricht sogar von 1,4 Milliarden Dollar. Öha. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das vor vier Jahren gegründet wurde. Doch was macht Yammer so interessant? Und was hat das mit xRM zu tun?

Vorbild Facebook

Was vor einigen Jahren “Groupware” hieß, nennt sich heute “Social Network for Business”, “Enterprise Social Network”, “Enterprise Microblogging” oder “Social Project Management” – je nach thematischer Ausrichtung des Anbieters. Ebenso gebräuchlich sind die Begriffe “Social Work Platform” oder “Social Business Platform”. Hieran sieht man schon, wohin die Reise geht: Facebook-ähnliche Lösungen für Unternehmen, die gleichzeitig als Plattform für weitere Dienste genutzt werden können. Hier eine Liste mit mir bekannten Anbietern (wer weitere kennt, bitte kommentieren!):

  • Asana: Zweites “Baby” von Facebook-Mitgründer, CTO und Millardär Dustin Moskovitz.
  • Basecamp/Campfire: Kombination für Projektmanagement und Chat von 37signals.
  • Bitrix24: Mit integriertem sozialem Netzwerk & CRM. Geht also klar in xRM-Richtung.
  • Chatter: 2010 von Salesforce.com veröffentlicht, integriert andere Salesforce-Lösungen.
  • Jive: Wird im Netz bereits mit potentiellem Interessenten Apple in Verbindung gebracht.
  • mural.ly: Noch Beta, fokussiert auf gemeinsames Brainstorming und Ideenentwicklung.
  • Podio: Aus Stockholm, im April von CITRIX gekauft (Preis wurde nicht veröffentlicht).
  • Socialcast: Das Social Intranet von vmware, aktuell kostenlos für bis zu 50 Nutzer.
  • Social PM: Von esentri aus Ettlingen. Claim: “Jedes Projekt ist ein soziales Netzwerk!”
  • Swabr: Startup aus Berlin, noch in der Beta-Phase. Swabr steht für “Schwarzes Brett 2.0″.
  • tibbr: Gestartet Anfang 2011, derzeit wird eine Geo-Check-In-Komponente entwickelt.
  • Yammer: Gegründet von David Sacks, ehemals COO von PayPal. 142 Mio. $ Funding.

Und noch Screenshots, die von Pressematerial stammen:

Interessant für Beziehungsmanagement

Der erste Vorteil, der einem bei diesen Lösungen bewusst wird, ist ganz klar Usability. Die meisten Nutzer in Unternehmen werden soziale Netzwerke wie Facebook bereits aus ihrem Privatleben kennen. Dadurch, dass Yammer und Co. sehr nah an diese Privatlösungen angelehnt sind, gestaltet sich die Bedienung überaus intuitiv. Flapsig ausgedrückt: ein Traum für jeder Unternehmen – kaum noch Schulung erforderlich, die Nutzer haben sich alles schon selber in ihrer Freizeit beigebracht. Dazu kommt: Die Funktionen haben sich im privaten Umfeld – sozusagen im Stresstest – bewährt. Und sie sind zukunftssicher. Wie Shel Israel korrekt auf Forbes.com feststellt: Die meisten jungen Firmen in diesem Umfeld stammen von einer neuen Generation von Unternehmern, von einer Generation, die bereits seit ihrer frühen Jugend mit Social Networks aufgewachsen ist.

Die zweite interessante Eigenschaft dieser Lösungen ist ihre Erweiterbarkeit. Grundsätzlich werden sie als Software-as-a-Service (SaaS) bzw. Platform-as-a-Service (PaaS) angeboten, die dann den Nutzerwünschen entsprechend flexibel angepasst werden kann. Mehrere Plattformen haben hierfür einen App Market (ähnlich zu Facebook, Google oder Apple) integriert, mit Hilfe dessen Funktionen modular hinzugefügt werden können. Bei Podio geht dieser Ansatz so weit, dass sich die Nutzer selber eigene einfache Apps per Drag’n'Drop erstellen können. Keine Programmierkenntnisse erforderlich. Auf diese Wiese lassen sich z.B. ERP-Funktionaliäten wie eine Produktverwaltung problemlos realisieren.

Der dritte spannende Punkt dieser Lösungen ist ihre Grundlage: Employee Relationship Management (Mitarbeiterbeziehungsmanagement). Wie von den meisten xRM/CRM-Unternehmen und Beratern heute gepredigt wird, muss Mitarbeiterzufriedenheit als Ausgangspunkt für Kundenzufriedenheit gesehen werden. Die vorgestellten Lösungen setzen hieran an und sind somit als Herzstück einer xRM-Strategie zu bezeichnen. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies auch der Gedankengang bei Microsoft und der geplanten Yammer-Übernahme ist. Yammer könnte einerseits die Groupware SharePoint ersetzen, andererseits Dynamics CRM/xRM in Richtung eines benutzerfreundlichen Front-End für Mitarbeiter erweitern, über das xRM-Apps via eines App Market integriert werden können.

Vor dem Hintergrund dieser drei Charakteristika ist es meiner Meinung nach durchaus legitim, Yammer und Co. als einen Teilbereich von xRM zu bezeichnen. Einen Bereich, bei dem die Konzentration eher auf der Echtzeitkommunikation und projektbasierten Koordination von Netzwerken liegt. Der historische Aspekt, der bei vielen Relationship-Management-Lösungen überwiest (z.B. eine nachvollziehbare Kundenhistorie), wird derzeit u.a. in Form von ersten CRM-Apps auf Podio oder Jive hinzugefügt. Wenn diese beiden Perspektiven in Zukunft noch enger miteinander verknüpfen werden, wird es extrem spannend. Oder besser: “Milliarden-Dollar-spannend”!

# Ergänzung 18.07.2012: Bitrix24 in Liste der verfügbaren Lösungen eingefügt.
# Ergänzung 11.09.2012: Socialcast, tibbr und mural.ly in Liste der verfügbaren Lösungen eingefügt.

Autor: Johannes Britsch

Johannes Britsch ist Doktorand an der Uni Mannheim. Seine Interessen umfassen xRM, Managementkonzepte, KMU sowie Entrepreneurship. Er ist "Erbauer" dieses Blogs und schreibt manchmal in der dritten Person von sich.

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